Neustart in der Pflege

Von Dnipro nach Düsseldorf

Reportage, Ausgabe 01/2026
Text Sina Betz, Fotos Eugen Shkolnikov 

Im Georg-Glock-Haus der AWO VITA gGmbH kennt man Alexandra unter einem Spitznamen, der sofort auffällt: „die Maschine“. Sie arbeitet unermüdlich, immer freundlich, immer aufmerksam – und das merken nicht nur die Bewohner*innen, sondern auch ihre Kolleg*innen. Wer sie einmal erlebt hat, versteht schnell, warum der Name passt.

Alexandra ist vor dem Krieg aus der Ukraine geflohen. Bevor sie nach Düsseldorf kam, war sie als LKW-Fahrerin quer durch Europa unterwegs. Zwei, drei Monate nonstop auf der Straße, dann ein paar Wochen Pause – so verlief ihr Leben, bis der Krieg alles veränderte.

Von Anfang an willkommen

Die Verbindung nach Düsseldorf kam über ihre Lebensgefährtin Yana, die schon vor ihr geflüchtet war. Dank der Unterstützung eines hilfsbereiten Paares, das sogar Alexandras Zugtickets bezahlte, konnte sie im März 2022 nach Deutschland kommen. „Sie haben uns auch bei Behördengängen geholfen. Ohne sie wäre vieles sehr schwer gewesen“, sagt Alexandra.

Ankommen hieß für sie zuerst ein Hotel, später und bis heute ein umgebautes Bürogebäude, das als Unterkunft für Geflüchtete dient. Doch Alexandra fühlte sich von Anfang an willkommen. „Vielleicht lag es daran, dass ich als LKW-Fahrerin schon Gutes über Düsseldorf gehört habe“, meint sie lächelnd.

Nach der Sprachprüfung öffneten sich neue Wege

Arbeiten wollte sie von Anfang an. Doch ihr alter Beruf konnte in Deutschland nicht fair vergütet werden. Stattdessen bot das Jobcenter einen neunmonatigen Sprachkurs an – eine Chance, die Alexandra sofort ergriff. Nach der Sprachprüfung öffneten sich neue Wege: ein Praktikum in der Pflege, neue Kolleg*innen, ein neues Leben. Heute ist sie Pflegehelferin im Georg-Glock-Haus der AWO VITA.

Der Einstieg war nicht leicht. „Als LKW-Fahrerin war ich oft allein, Kommunikation spielte kaum eine Rolle. In der Pflege ist das anders – und dann noch in einer neuen Sprache. Die Sprache war die größte Herausforderung.“

 

„Die Emotionen, die man zurückbekommt, sind unbezahlbar“

Doch schon am ersten Tag im Haus merkte sie: Hier kann sie sein, wie sie ist. In der Morgenschicht schiebt sie einen Rollstuhl durch die hellen Flure, hilft beim Frühstück, lacht über kleine Scherze der Bewohner*innen. Ein älterer Herr klopft ihr auf die Schulter: „Gut, dass Sie da sind, Alexandra.“ Solche Momente geben ihr Energie. „Die Emotionen, die man zurückbekommt, sind unbezahlbar“, sagt sie. Unterstützung fand sie auch im Team und bei der Leiterin des Georg-Glock-Hauses, Katharina Kabata.

Die Unterschiede zwischen der Ukraine und Deutschland im Alltag empfindet sie als weniger groß, als viele erwarten würden. „Man muss in beiden Ländern für sein Geld arbeiten, Alltag und Sorgen sind ähnlich.“ Trotzdem fühlt sie sich in Düsseldorf wohl, auch wenn Heimat für sie noch ein anderes Wort ist: Ihre Kinder, ein Sohn und eine Tochter, bleiben ein zentraler Teil ihres Lebens. Ihren Sohn unterstützt Alexandra regelmäßig mit ihrem Gehalt als Pflege-helferin bei der Finanzierung seines Studiums.

Über die Zukunft spricht sie vorsichtig. Nach einem möglichen Kriegsende in der Ukraine will sie noch keine festen Pläne schmieden. „Vielleicht in Düsseldorf leben und arbeiten und in den Urlauben in die Ukraine reisen.“

Wie Integration und beruflicher Neuanfang gelingen können

Ihre Ziele sind klar: Deutschkenntnisse weiter verbessern, Ausbildung zur Pflegefachkraft beginnen und weiter in einem Beruf arbeiten, der Menschen direkt hilft. In einem Land, das Fachkräfte wie Alexandra dringend braucht, ist ihr Engagement ein starkes Beispiel dafür, wie Integration und beruflicher Neuanfang gelingen können – mit Mut, Ausdauer und einem großen Herz für die Menschen, die Pflege brauchen. 

Über die AWO VITA gGmbH

Die AWO VITA bietet stationäre und ambulante Hilfen für Senior*innen sowie für Menschen mit Behinderungen. Ziel ist ein selbstbestimmtes Leben zu Hause sowie eine bedarfsgerechte Versorgung in (teil-)stationären Einrichtungen. Das Angebot umfasst zudem Tages- und Kurz-zeitpflege, spezialisierte Wohn- und Betreuungs-angebote, Beratung sowie Freizeit-, Bildungs- und Begegnungsangebote für Menschen ab 55 Jahren.

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