"Da sein, wo ich gebraucht werde"

Wie Jens Ummelmann durch das Betreute Wohnen (BeWo) sein berufliches und privates Glück fand.

Reportage, Ausgabe 01/2026
Text und Fotos: Martin Alexander Schicht 

Die meisten Düsseldorfer*innen schlafen noch, wenn sich Jens Ummelmann morgens gegen 4:30 Uhr auf den Weg zur Arbeit macht. Der 39-Jährige fand 2024 über das Ambulant Betreute Wohnen der AWO VITA gGmbH zu seiner ersten Festanstellung bei einer lokalen Servicefirma für Gebäude- und Straßenreinigung. Er ist werktags – und auch an einigen Wochenenden – im Einsatz und wird im Winter wie im Sommer angefragt. Seitdem geht es für ihn aufwärts: ein geregeltes Einkommen, der Umzug in die erste eigene Wohnung und die Heirat mit seiner Frau Sabrina. Unterstützt hat ihn auf seinem Weg die gelernte Heilerziehungspflegerin Katharina Ropertz, die Klient*innen im Rahmen des Ambulant Betreuten Wohnens dabei hilft, ihren Alltag zu stabilisieren. Heute wohnt und lebt Jens Ummelmann weitgehend selbstständig und verdient seinen Lebensunterhalt vollständig durch eigene Arbeit.

Schritt für Schritt in ein selbstbestimmtes Leben

Der Einstieg in den Arbeitsmarkt war für Jens Ummelmann schwierig. Wegen seiner Beeinträchtigungen konnte er früher nur Hilfstätigkeiten bei Fahrdiensten ausüben. Die AWO Düsseldorf unterstützte ihn im Rahmen des Ambulant Betreuten Wohnens. Seitdem packt er in seinem ersten festen Job an – dort, wo er gebraucht wird: Abfalltonnen auswechseln, der Kehrmaschine zuarbeiten oder Einsatzfahrzeuge komplett reinigen. Zwischen drei und sieben Kubikmetern Müll bewegt er täglich. Ob Winterdienst, Laubbeseitigung im Herbst oder Heckenschneiden: Seine Tätigkeiten sind vielfältig. 

„Heute arbeite ich Vollzeit und muss nichts durch das Jobcenter aufstocken lassen“, berichtet er stolz. Das habe ihn viel zuversichtlicher gemacht – auch wenn seine Aufgaben körperlich sehr fordernd sind. „Er bewegt sich routinierter durch die Stadtteile als so mancher Anwohner. Mittlerweile kennt er so viele Straßennamen wie Google Maps“, scherzt Betreuerin Katharina Ropertz.

Arbeit mit sichtbarer Wirkung im öffentlichen Raum

Die Reinigung von mobilen Sanitäranlagen auf Großveranstaltungen ist ebenfalls Teil seines Arbeitsalltags. Bei großen Ereignissen wie der Düsseldorfer Rheinkirmes oder den Weihnachtsmärkten komme er mit vielen Menschen in Kontakt und erlebe dabei immer wieder große Wertschätzung. Seine Arbeit habe ihn bestärkt und selbstbewusster werden lassen. „Da zu sein, wo ich gebraucht werde“, erklärt er, „gibt mir eine konkrete Aufgabe“ – zum Beispiel für ein sauberes Stadtbild zu sorgen.

Stabilität durch individuelle Unterstützung

Betreuerin Katharina, die er vertrauensvoll „Kathi“ nennt, ist Teil der Ambulanten Dienste der AWO VITA. Hier kümmert sich ein Team aus elf Mitarbeiter*innen um rund 100 Klient*innen in betreuten Wohnsituationen. „Jeder Tag in meinem Job ist anders“, verrät sie. Ihre Kernaufgabe besteht in professioneller Beziehungsarbeit. Dafür nimmt sie verschiedene Rollen ein – von Begleiterin über Motivatorin, Impulsgeberin und Krisenmanagerin bis zur Bezugsperson. „Kummerkasten für die Klient*innen zu sein, gehört ebenso dazu wie Gespräche mit den rechtlichen Betreuer*innen oder den Angehörigen zu führen“, berichtet sie.

Ankommen im eigenen Leben

Wichtig sei es, jede*n Klient*in individuell zu betrachten. „Ziel ist es immer, die Situation stabil zu halten – und auf dieser Ebene können wir gemeinsam viel erreichen.“ Natürlich werden erreichte Ziele auch gebührend gefeiert, zum Beispiel mit Kaffee und Kuchen im Südpark. Anlass dazu gibt es: Jens Ummelmann ist in den vergangenen drei Jahren deutlich selbstständiger geworden. Heute genießt er diesen Erfolg mit Ehefrau Sabrina in ihrem gemeinsamen Zuhause.

Info BeWo

Das Betreute Wohnen (BeWo) der AWO VITA gGmbH unterstützt erwachsene Menschen mit geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen in der eigenen Wohnung. Pädagogische Fachkräfte begleiten individuell und kommen regelmäßig nach Hause. Die Betreuung wird vom Landschaftsverband Rheinland finanziert, Unterkunft und Verpflegung tragen die Bewohner*innen selbst. Zusätzlich startet ab sofort die Vermittlung in öffentlich geförderten Wohnraum in einer neuen Wohnanlage in Düsseldorf-Garath. Der Bezug ist zum Frühjahr 2027 geplant. Informationen und Kontakt über Tel.: 0211 60025-2090 oder -2091