Hochinteressant, berührend und aufrüttelnd war der Kinderschutzfachtag der AWO Familienglobus gGmbH (Faglo) am Freitag (17. April 2026) im Kulturhaus Süd in Garath. Unter dem Titel „Was braucht inklusiver Kinderschutz? Zwischen Haltung, Struktur und Gesetz“ wurden Grundlagen und Herausforderungen im Schutz von Kindern mit Beeinträchtigungen diskutiert. Der Konsens wurde in den Eröffnungsworten von Faglo-Geschäftsführerin Nuran Breuer und der stellvertretenden Leiterin des Amts für Soziales und Jugend der Landeshauptstadt Düsseldorf, Renate Schäfer-Sikora, deutlich: Wir müssen Haltung zeigen, Kinderrechte sind für alle Kinder da und Kinderschutz gelingt nur dann, wenn alle Kinder einbezogen sind!
Im Folgenden erörterten die Referent*innen die große Dringlichkeit von inklusivem Kinderschutz: Kinder mit Beeinträchtigungen haben ein besonders hohes Risiko für Gewalt, Vernachlässigung und sexualisierte Gewalt. Ihr Schutz ist nicht grundlegend anders, aber komplexer, zum Beispiel aufgrund von Kommunikationsbarrieren, Abhängigkeiten oder Isolation. Das diskutierten unter anderem Katja Lasch und René Omlor vom Amt für Soziales und Jugend in ihrem Vortrag über Grundlagen und die aktuelle Rechtslage. Dabei machten sie klar: Inklusiver Kinderschutz ist nicht freiwillig, sondern eine rechtliche Verpflichtung.
Prof*in Dr. Karla Verlinden von der Katholischen Hochschule Köln begeisterte das Fachpublikum mit einem Vortrag zu den Herausforderungen, Belastungen und Risikofaktoren in Familien, in dem sie ableistische Strukturen und deren Folgen für das Kindeswohl scharf kritisierte: Kinder mit Beeinträchtigungen haben meist sehr wenige Kontakte, es gebe für sie kaum Angebote, sie wüssten oft gar nicht, dass sie ein Recht auf Schutz haben und Hinweise auf Gefährdungen würden oft fälschlicherweise auf die Beeinträchtigung zurückgeführt. Erwachsene müssten sich aktiv darum bemühen, dass Kommunikation gelinge, betonte sie ebenso wie die Forderung, dass Eltern nicht allein gelassen werden dürfen. Eine konkrete Unterstützung könnten aufsuchende Hilfen sein, gerade für Eltern, die ihre Kinder nicht alleine lassen können.
Im zweiten Teil des Fachtags erarbeiteten die Fachbesucher*innen praxisnah im Workshop mit Sozialpädagogin und Kinderschutzfachkraft Doris Wanken Möglichkeiten der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen. Bausteine eines inklusiven Schutzkonzepts, das Diversität und Intersektionalität berücksichtigt, wurden im Workshop mit Kirsten Schumacher, Fachreferentin zur Prävention sexualisierter Gewalt der PSG ausgearbeitet. Welche Netzwerksarbeit für einen gelungenen inklusiven Kinderschutz benötigt wird, diskutierten die Teilnehmer*innen mit Susan Loop von der Koordinierungs- Kontakt- und Beratungsstelle der AWO VITA gGmbH und Annegret Göb vom Caritasverband Düsseldorf e.V. Mit Sozialarbeiterin Britta Widdig ging es darum, wie Kinderrechte erlebbar gemacht und Kindern mit Beeinträchtigung vermittelt werden können.
„Es war ein sehr gelungener Fachtag, der sich durch hohe fachliche Kompetenz und gesellschaftliche Relevanz ausgezeichnet hat. Wir verstehen ihn als einen Auftakt zu umfassenden Auseinandersetzungen. Inklusiver Kinderschutz ist eine zentrale gesellschaftliche und institutionelle Verantwortung. Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen brauchen Schutzkonzepte die ihre Lebensrealitäten, ihre besonderen Risiken und ihre Beteiligungsrechte konsequent mitdenken“, sagt Aleksandra Schmidt, Hauptabteilungsleiterin „Beratung – Erzieherische Hilfen“ beim AWO Familienglobus.
Der Kinderschutzfachtag wurde organisiert von Aleksandra Schmidt, Hauptabteilungsleitung; Heike Karohl, Kinderschutzfachkraft; Kira Bernhoff, Einrichtungsleiterin Heilpädagogische Tagesgruppe; Sarra Bayoudh, Ambulante Familien- und Jugendhilfe; Ingrid Keiling, Einrichtungsleitung Ambulante Familien- und Jugendhilfe; Bianca Stoll, Fachberatung Kindertagespflege und Beratungsstelle für Haftentlassene.