Abgleiten in die Kriminalität verhindern

Düsseldorfer Kooperationstreffen der Initiative „Kurve kriegen“

Die Teilnehmenden des Kooperationstreffens (v.l.): Aleksandra Schmidt (Hauptabteilungsleitung AWO), Mareike Höving (Kriminaloberkommissarin, Polizei Düsseldorf), Frank Schier (Jugendbeauftragter Polizei Düsseldorf), Peter Hainski (stellvertretender Abteilungsleiter, Diakonie Düsseldorf), Iris Bellstedt (Geschäftsführerin Der Paritätische Düsseldorf), Ruveyda Gül Cantürk (pädagogische Fachkraft AWO Düsseldorf), Elisabeth Polke (pädagogische Fachkraft Der Paritätische Düsseldorf), Barbara Busshaus (Diakonie Düsseldorf)

Die NRW-Initiative „Kurve kriegen“ erkennt die Entwicklung besonders kriminalitätsgefährdeter Kinder und Jugendlicher zu Intensivtäterinnen und Intensivtätern früh. So wird die Zahl der von ihnen begangenen rechtswidrigen Taten oder Straftaten und damit auch die Anzahl der Opfer drastisch reduziert und im besten Fall auf null gebracht.

„Kurve kriegen“ wurde 2011 im NRW-Innenministerium entwickelt. In Düsseldorf wird „Kurve kriegen“ von der Polizei Düsseldorf, der AWO Düsseldorf, dem Verein für soziale Betreuung (Mitgliedsorganisation Der Paritätische) und der Diakonie getragen. Vertreterinnen und Vertreter der Träger und der Polizei kamen jetzt zum jährlichen Kooperationstreffen zusammen. „Die Initiative ,Kurve kriegen' wird in Düsseldorf von der Polizei Düsseldorf im Zusammenschluss von drei Trägern koordiniert. Von der großen Vielfalt an Ressourcen und Expertise profitieren alle Beteiligten“, so Aleksandra Schmidt, Hauptabteilungsleiterin bei der AWO Familienglobus gGmbH.

Zielgruppe von „Kurve kriegen“ sind Kinder und Jugendliche, die zwischen acht und 17 Jahren alt und mit mindestens einer Gewalttat oder drei Eigentumsdelikten polizeilich in Erscheinung getreten sind. Ihre Lebensumstände sind jeweils derart risikobelastet, dass ein dauerhaftes Abgleiten in die Kriminalität droht.  Risikofaktoren sind zum Beispiel Schulabstinenz, häusliche Gewalt, kriminelle Familienangehörige oder ein krimineller Freundeskreis, aber auch eine fehlende Tagesstruktur oder Drogen. Kommen viele davon zusammen und bestehen keine Schutzfaktoren (zum Beispiel, eine Bezugsperson, die sich kümmert), erhöht sich die Wahrscheinlichkeit in Kriminalität verhaftet zu bleiben.

Die Investition von Personal und Geld in der frühen Phase der Auffälligkeiten ist im Vergleich zu später notwendigen Investitionen und Maßnahmen gering – und vor allen Dingen wirkungsvoll. Aus pädagogischen und kriminologischen Gründen ist es zielführend, sich so frühzeitig wie möglich, individuell und passgenau um die Ursachen der Kriminalität und Auffälligkeiten dieser jungen Menschen zu kümmern, denn oft sind die Personen selbst in einer Spirale von Gewalt, fehlender Anerkennung und Opfer- / Tätererfahrungen gefangen.

Prävention zeigt Erfolg

Gerade im Blick auf die hohe Zahl verhinderter Taten und Opfer ist die Fokussierung auf potenzielle Intensivtäterinnen und Intensivtäter besonders effizient. Das belegen wissenschaftliche Untersuchungen: 40 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden nach erfolgreichem Durchlauf des Programms nicht mehr straffällig, bei den anderen 60 Prozent gehen die Straftaten um 50 Prozent zurück, im Bereich der Gewaltdelikte sogar um 75 Prozent. Zugleich erhalten alle die Chance auf gesellschaftliche Teilhabe.

Die drei Verbände, die in der Landeshauptstadt die Initiative „Kurve kriegen“ tragen, zeichnen sich durch mehr als 40 Jahre Zielgruppenerfahrung aus. Sie decken das gesamte Spektrum der Kinder- und Jugendhilfe ab. Darüber hinaus sind die verschiedenen Angebote, Einrichtungen und Projekte über das gesamte Stadtgebiet verteilt und ermöglichen somit ein wohnortnahes und sozialräumliches Arbeiten.

Beim jüngsten Kooperationstreffen ging es u. a. um die Reflexion der Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Trägern und der Polizei sowie den Blick auf zusätzliche Fördermaßnahmen und Angebote für Jugendliche und Familien. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit Fallverläufen (Risikofaktoren) und Abbrüchen stand dabei ebenso im Mittelpunkt wie die organisatorische und inhaltliche Planung für 2023. Das Team von „Kurve kriegen“ soll noch in diesem Jahr in das Haus des Jugendrechts in der Heinrich-Heine-Allee umziehen.

Kontinuierliche Betreuung

Die Teilnehmenden beschlossen, zusätzlich zum jährlichen Kooperationstreffen für das Jahr 2023 einen weiteren Austausch anzusetzen. Dabei setzt man sich explizit mit Fallverläufen auseinander mit dem Ziel, gegebenenfalls Abläufe, Methoden und andere Aspekte zu optimieren. Weitere Inhalte der künftigen Arbeit sind u. a. die frühzeitige Reaktion auf delinquentes Verhalten und die kontinuierliche Betreuung der Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Familien. Das passiert auch heute schon, aber natürlich kann man alles weiter verbessern.

Auch die Steigerung von Handlungskompetenz und Förderung des Selbstwerts sowie die Verbesserung der individuellen Lebensperspektiven stehen auf dem Programm. Dem Düsseldorfer Team von „Kurve kriegen“ ist es wichtig, über die gemeinsame Arbeit Vorurteile gegenüber Institutionen wie z. B. dem Jugendamt und der Polizei abzubauen und Familien mit Unterstützungsbedarf zu erreichen.

Teilnehmende am Kooperationstreffen 2022 bei der AWO Düsseldorf:

  • Frank Schier, Jugendbeauftragter, Polizei Düsseldor
  • Mareike Höving, stellvertretende Jugendbeauftragte, Polizei Düsseldorf
  • Iris Bellstedt, Geschäftsführerin Der Paritätische Düsseldorf
  • Elisabeth Polke, pädagogische Fachkraft Der Paritätische Düsseldorf
  • Peter Hainski, stellvertretender Abteilungsleiter, Diakonie Düsseldorf
  • Barbara Busshaus, Diakonie Düsseldorf
  • Ruveyda Gül Cantürk, pädagogische Fachkraft AWO Faglo gGmbH
  • Aleksandra Schmidt, Hauptabteilungsleitung AWO Faglo gGmbH

 

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