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Gemeinsam anders. Zusammen sozial.

Zehn Jahre Teilzeitberufsausbildung

NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann besucht Ausbildungsbetrieb

(pld/keh) Junge Menschen mit Familien- und Pflegeverantwortung haben es oft besonders schwer, eine Ausbildung zu absolvieren. Damit der qualifizierte Berufseinstieg gelingt, gibt es seit zehn Jahren das Programm "Teilzeitberufsausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen" (TEP). Es wird gefördert aus Mitteln des Landes NRW und des Europäischen Sozialfonds. Auch die AWO Berufsbildungszentrum gGmbH (BBZ) führt das TEP-Programm durch und hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht, berichten Abteilungsleiterin Gabriele Schmitz und TEP-Mitarbeiterin Ilka Hahne übereinstimmend.

Wer volljährig ist, über einen Schulabschluss verfügt und aufgrund von Elternschaft oder Pflege von Angehörigen bisher noch keine Berufsausbildung absolviert hat, eine Zweitausbildung machen möchte oder nach einer Familienpause seine Ausbildung zu Ende führen möchte, kann sich für das Programm anmelden. Die verkürzte Arbeitszeit bietet die Möglichkeit, Familie und Beruf besser zu vereinbaren.

Bevor es in die Teilzeitberufsausbildung geht, analysieren die Mitarbeitenden des BBZ zunächst genau die Situation der Auszubildenden. Unser Foto zeigt Lisa Graffe (l.), die an dem Programm teilnimmt, und BBZ Abteilungsleiterin Gabriele Schmitz. (Fotos: Joe Kramer)

Eine Berufsausbildung in Teilzeit ist grundsätzlich in allen Ausbildungsberufen möglich. Die Arbeitszeit im Betrieb wird hierbei im Schnitt um rund 25 Prozent reduziert. Der Berufsschulunterricht findet in vollem Umfang statt. Die Ausbildungsdauer wird in der Regel nur verlängert, wenn der oder die Auszubildende weniger als 25 Wochenstunden arbeitet. Die Ausbildungsvergütung kann an die jeweilige Stundenzahl angepasst werden. Über 100 Auszubildende haben seit Programmstart mit Unterstützung der AWO Düsseldorf eine Teilzeitausbildung absolviert, 35 befinden sich derzeit Ausbildung.

NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann informierte sich jüngst einmal persönlich darüber, wie das Förderprogramm in der Praxis funktioniert und besuchte die Düsseldorfer Firma Herrmann & Sohn GmbH. Dort absolviert Lisa Graffe mit Unterstützung der AWO eine Ausbildung zur Kauffrau im Büromanagement. Die 24-Jährige ist allein Erziehende einer kleinen Tochter. Eine Ausbildung in Vollzeit war für sie daher nicht möglich. Erst als sie für ihr Kind einen Platz in einer Kita fand und am Programm „Teilzeitberufsausbildung“ teilnahm, konnte sie ihren Berufswunsch realisieren. „Ich bin so froh, dass das geklappt hat“, so die junge Mutter. Sie ist im ersten Lehrjahr und ihre Arbeitszeit beginnt morgens eine Stunde später und endet am Nachmittag eine Stunde früher als regulär. Damit kommt sie auf eine wöchentliche Arbeitszeit von 30 Stunden - ausreichend Zeit, alle im Ausbildungsplan vorgesehenen Arbeiten zu erlernen.

Nach dem Besuch der Düsseldorfer Firma Herrmann & Sohn GmbH gab’s zum Abschluss noch ein Gruppenfoto (v.r.): NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, Maike Herrmann, Mitarbeiterin der Firma Gustav Herrmann & Sohn, GmbH, Auszubildende Lisa Graffe, Anke Jürgens, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt beim Jobcenter Düsseldorf, und Gabriele Schmitz, Abteilungsleiterin des AWO Berufsbildungszentrum.

Gabriele Schmitz erläutert, wie umfassend die Unterstützung der Teilzeitberufsausbildenden durch das BBZ ist: „In der maximal sechs Monate dauernden Vorbereitungsphase gehören etwa die Hilfe bei der Berufswahlorientierung, das Bewerbungstraining und die Suche nach einem Ausbildungsplatz dazu." Ein weiterer Bestandteil der Vorbereitungsphase sei die Qualifizierung. Dazu zählten EDV-Kurse, Trainings zur Verbesserung von Schlüsselkompetenzen, aber auch Unterstützung bei der Frage, wie Teilzeitauszubildende ihre Lernarbeitszeit trotz Kinderbetreuung effektiv gestalten können.

Auch mit den anderen Auszubildenden der Firma Herrmann & Sohn kommt Lisa Graffe gut zurecht.

Bereits seit 2005 gibt es die Möglichkeit, eine Ausbildung im dualen System in Teilzeit zu absolvieren. Noch sind es zu wenig Betriebe, die dies als Chance begreifen. Die reduzierte wöchentliche Arbeitszeit ist für viele Betriebe ein Grund, nicht in Teilzeit auszubilden. AWO-Abteilungsleiterin Gabriele Schmitz kann dies nicht nachvollziehen: „Wenn Betriebe das Wort Teilzeit hören, denken sie, dass die jungen Leute nur 20 Stunden arbeiten und davon noch an zwei Tagen zur Berufsschule gehen. Tatsache aber ist, dass die meisten Teilzeitauszubildenden zwischen 30 und 35 Stunden arbeiten. Zudem sind Teilzeitauszubildende meist etwas älter als diejenigen, die direkt nach der Schule einen Ausbildungsplatz suchen. Aufgrund ihrer Verantwortung bei der Kinderbetreuung sind sie der Regel besser organisiert, eindeutig verantwortungsbewusster und reifer.“ Nach der Ausbildung würden zudem viele in Vollzeit arbeiten. Die Teilzeitauszubildenden von heute seien somit die Vollzeitfachkräfte von morgen.

Wer sich für eine Ausbildung in Teilzeit interessiert, wende sich bitte an BBZ-Mitarbeiterinnen Gabriele Schmitz, Tel. 0211 60025-906 und Ilka Hahne, Tel. 2011 60025-953.


Artikel erstellt am: 03.04.2019

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