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Gemeinsam anders. Zusammen sozial.

Bisher einzigartig in der Bundesrepublik

„Unterstützung für Menschen mit Demenz und Migrationserfahrung“

(EWH/ksbe) Ein Leben mit Demenz stellt für Betroffene und deren Angehörige eine enorme Herausforderung dar, insbesondere für Menschen mit Migrationserfahrung. Sie und ihre Angehörigen benötigen Unterstützung und Beratung, die sowohl individuelle, kulturspezifische als auch sprachliche Besonderheiten angemessen berücksichtigt. Das „Interkulturelle Demenz-Netzwerk Düsseldorf“ hat zum Ziel, Betroffene und ihre Familien besser über Demenz zu informieren und Zugang zu Unterstützungsangeboten zu bieten. Angestrebt wird eine mögliche bundesweite Vernetzung mit dem Ziel, die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und Migrationshintergrund weiter zu verbessern.

Die Fachveranstaltung im AWO Maria-Nitschke-Haus an der Liststraße versammelte viele Expertinnen und Experten von verschiedenen Gesundheits- und Integrationsdiensten und weiteren Fachleuten zu einem Informationsaustausch.

Die Veranstaltung fand beim Fachpublikum großen Anklang. Über 50 Teilnehmende nutzen die Gelegenheit zum Wissens- und Gedankenaustausch. (Foto: EWH)

Ataman Yildirim, Mitarbeiter der AWO Integrationsagentur, begrüßte im Namen des Fachdienstes Migration und Integration der Arbeiterwohlfahrt Düsseldorf zu der Veranstaltung. Die AWO Integrationsagentur schafft mit ihren Projektpartnern niederschwellige Zugänge, baut Barrieren ab und fördert soziale Teilhabe von Migrant*innen - beispielsweise mit dem Projekt „Brücken bauen – kultursensibel helfen“.

AWO-Mitarbeiter Ataman Yildirim begrüßte die Besucher*innen der Veranstaltung. (Foto: Gerhard Bast)

Menschen mit Migrationshintergrund tragen aufgrund ihrer Biographien und Lebenssituation ein höheres Risiko im Alter von einer Demenz betroffen zu sein. Die Kompetenzen, die diese Menschen im Laufe ihres Lebens in Deutschland erworben haben, gehen durch die Demenz verloren. Dazu gehören beispielsweise auch erworbene Deutschkenntnisse. Wie eine europaweite Studie zeigt, werden die ärztlichen Testverfahren diesem Sachverhalt noch nicht gerecht. Zudem ist für Betroffene wie Angehörige die Krankheit vielfach mit Gefühlen wie Angst, Schuld und Bestrafung sowie Scham besetzt. Dies führt dazu, dass das Thema innerhalb und außerhalb der Familie mit einem Tabu belegt wird. Außerfamiliäre Pflege wird in vielen Kulturkreisen abgelehnt und Familienangehörige sind häufig überfordert. Ohne professionelle Unterstützung gehen Familien durch die alltäglichen Belastungen sehr oft in die Brüche.

Umso wichtiger ist die muttersprachliche Betreuung und Beratung betroffener Personen - sie schafft Vertrauen und wird als Bereicherung erlebt. In Schulungen zum Thema „Leben mit Demenz“ für betroffene Angehörige und Helfende werden offene Fragen diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht, wie sprachliche und kulturelle Hürden überwunden bzw. abgebaut werden können. Zum einen sind es die Sprachbarrieren im Alltag aber auch in der Pflege oder bei der Diagnose - so wie sie beispielsweise bei Demenz-Tests häufig angewandt werden.

Die informative Veranstaltung wurde durch einen Imbiss, Musik und eine Kunstausstellung von Aziz Sener abgerundet. 

Alle Vortragenden auf einen Blick (von links): Dorothea Radler (Kommunales Integrationszentrum Düsseldorf), Dozent Dr. René Thyrian, Serin Alma (Kursleiterin zum Thema „Demenz“), Jessica Monsees (wissenschaftliche Mitarbeiterin von Dr. Thyrian), Professor Dr. Christian Bleck von der Hochschule Düsseldorf, Ataman Yildirim (AWO Integrationsagentur), „Brückenbauerin” Aliki Marouli und Peter Tonk (Koordinator des Interkulturellen Demenz-Netzwerks Düsseldorf). (Foto: Gerhard Bast)

 

Dr. René Thyrian und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Jessica Monsees stellten ihre Forschungen zum Thema Demenz vor. (Foto: Gerhard Bast)

 

 

Artikel erstellt am: 19.12.2017

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