Kopfbild-Frau-mit-Junge.jpg

Gemeinsam anders. Zusammen sozial.

On the road again

AWO-Tour geht in die zweite Runde

(ksbe) Vor gut einem Jahr fand die erste AWO-Tour mit Düsseldorfer Politikerinnen und Politikern statt. Die Resonanz der Teilnehmenden, die mehrere AWO-Einrichtungen an einem Tag besuchten, war herausragend. Ein guter Grund die AWO-Busse erneut auf Tour gehen zu lassen. Die Chance einen tieferen Einblick in die Arbeit und Projekte der AWO Düsseldorf und ihrer Mitarbeitenden zu erhalten, ließen sich Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke mit ihrem persönlichen Referenten Jost Bové, die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses Ursula-Holtmann-Schnieder und die Mitglieder des Ausschusses für Gesundheit und Soziales (AGS) Helga Leibauer und Katja Goldberg-Hammon nicht entgehen. Begleitet wurden sie von AWO-Kreisgeschäftsführer und Tourkapitän Michael Kipshagen.

Der Startschuss für die Tour fiel um 13 Uhr auf dem Burgplatz. Erster Halt war die Ambulante Demenz-Wohngemeinschaft „Kirschblüte“ an der Gräulinger Straße in Gerresheim, die im April 2017 eröffnete. Als die Teilnehmenden von Jürgen Jansen, dem Geschäftsführer der AWO VITA gGmbH, im Garten der Wohnanlage begrüßt wurden, zeigten sie sich von der Schönheit der Anlage und des Gartens sofort begeistert.

 

AWO VITA-Geschäftsführer Jürgen Jansen führte Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke und Ursula Holtmann-Schnieder durch die Gartenanlage der „Kirschblüte“, die, so Jansen, von den Mieterinnen und Mietern als erweitertes Wohnzimmer benutzt wird. (Alle Fotos: ksbe)

Nach dem Gartenrundgang wurden die hochwertigen WG-Zimmer und die Gemeinschafträume, wie eine modern eingerichtete und ausgestattete Wohnküche, besichtigt. Kasia Jachimowicz-Ast, Pflegedienstleitung der Ambulanten Pflege, erläuterte gemeinsam mit Jürgen Jansen das innovative Konzept der Demenz-WG.

Ziel der barrierefreien Demenz-Wohngemeinschaft ist, die Mieterinnen und Mieter so selbstbestimmt wie möglich leben zu lassen, sie aber bei Bedarf individuell zu unterstützen. Mitbestimmung und Mitsprache spielen im Lebensalltag der WG eine bedeutende Rolle. Die Mieter*innen und ihre Angehörigen entscheiden über den Speiseplan, der dann auch gemeinschaftlich kulinarisch umgesetzt wird, diskutieren über Anschaffungen aus dem Haushaltsgeldtopf und organisieren selbständig Feste und Aktionen - wie ein typisches WG-Leben eben so abläuft. „Diese Wohnform ist etwas, was sich die Leute wünschen“, waren sich Helga Leibauer und Ursula-Holtmann unisono einig. Auch Kreisgeschäftsführer Michael Kipshagen betonte die Wichtigkeit individueller Konzepte: „Der Fokus der Politik darf nicht fast ausschließlich auf stationären Einrichtungen liegen. Hier muss ein Umdenken stattfinden - es gibt so viele innovative Wohnformen.“

Neben anregenden Gesprächen blieb bei einer Erfrischung auch Zeit für Pflegedienstleitung Kasia Jachimowicz-Ast den Nachbarn aus dem gegenüberliegenden Gebäudekomplex, in dem acht Ehepaare wohnen, einen freundlichen Gruß zu senden. Die Mieterinnen und Mieter können auf Wunsch auf ambulante Unterstützung zurückgreifen.

Der nächste Stopp fand bei der AWO Berufsbildungszentrum gGmbH (BBZ) in Düsseldorf-Flingern statt. Nach kurzer Begrüßung durch BBZ-Geschäftsführer Wolfgang Förster und einem Überblick über das große Aufgabenfeld (Jugendberufshilfe, Arbeitsmarktdienstleistungen, Schulsozialarbeit und Offene Ganztagsangebote) des BBZ, wurde das Projekt „Produktionsschule.NRW“ von Projektleiterin Henrike Mönnich-Romund in der Theorie und mit Einblicken in die Praxis vorgestellt.

Zielgruppe des Projekts sind Jugendliche unter 25 Jahren, die auf Grund persönlicher Schwierigkeiten noch keine beruflichen Perspektiven entwickeln konnten. Sie werden in den Berufsbereichen Hauswirtschaft, Kosmetik/Körperpflege und Haustechnik vor allem in praktischer Hinsicht geschult, um sie so auf eine Ausbildung oder den Eintritt in den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten. „Zu allererst ist es wichtig, die Jugendlichen in Schlüsselqualifikationen, wie Zuverlässigkeit und Konzentrationsfähigkeit, zu fördern. Ein weiterer Schwerpunkt ist das praxisnahe Lernen, die Heranwachsenden werden in alle Auftragsschritte eingebunden: Von der Auftragserstellung, der Budgetierung, dem Erbringen der Dienstleistung bis hin zur Abrechnung“, so Mönnich-Romund. Bis heute haben 65 Prozent der Teilnehmenden unmittelbar von dem Projekt profitiert und haben eine Ausbildung begonnen, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen, sind in die Schule zurückgekehrt oder haben an weiteren Qualifizierungsmaßnahmen teilgenommen.

Auf die Theorie folgte ein Rundgang durch die Räume der Kosmetikschule. Hier konnten sich die Tour-Teilnehmenden einen Eindruck über die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler im Frisieren und Schminken verschaffen.

 

Inspiration und Information erhielten die Teilnehmenden beim Gang durch die Praxisräume der Kosmetikschule. Helga Leibauer (l.) und Ursula-Holtmann-Schnieder bewunderten einen modernen Haarschnitt.

 

Neben dem Friseurhandwerk erlernen die Heranwachsenden im Bereich Kosmetik/Körperpflege auch Fertigkeiten im Schminken. Die erworbenen Fähigkeiten stellen sie häufig auf Festen beim Kinderschminken unter Beweis. Hier präsentiert Projektleiterin Henrike Mönnich-Romund eines der Übungsergebnisse.

"Alles unter einem Dach“ ist das Motto des Beratungszentrums der AWO Familienglobus gGmbH in Garath, dem dritten Ziel der AWO-Tour. Die neuen, großzügig geschnitten Räume des Beratungszentrums, die im September 2015 bezogen wurden, beheimaten die Erziehungsberatungsstelle Garath, die Schuldner- und Insolvenzberatung, das Familienbildungswerk (FBW), die Schulsozialarbeit und die Ambulante Familien- und Jugendhilfe. Ein weiterer Ausbau an Angeboten ist in Planung. „Wir sind hier im Stadtteil sehr gut aufgestellt und arbeiten in enger Kooperation mit allen Familienzentren und anderen Institutionen zusammen. Bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten war uns wichtig, nah bei den Menschen zu sein. Im Nachbarhaus ist das Jugendamt untergebracht - so ist der Weg zu uns nicht weit“, hielt Detlef Weber, Hauptabteilungsleiter für Beratung und Erzieherische Hilfen der AWO Familienglobus gGmbH, fest.

 

Detlef Weber führte durch die verschiedenen Beratungsstellen und Therapieräume und erläuterte die einzelnen Angebote, die miteinander vernetzt sind.

Im Nebenhaus ist im Juni dieses Jahres eine Jugendwohngruppe (JWG) für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF) eingezogen. Die Wohngruppe ist jetzt Heimat für neun Jugendliche im Alter von 16-18 Jahren aus Syrien, Eritrea, Marokko, Guinea und Somalia. Die Heranwachsenden werden von sechs Fachkräften in kritischen und belastenden Lebenssituationen begleitet und bei der Integration unterstützt. Mit einer Größe von 400m² bietet die renovierte und altersgemäß eingerichtete Wohnetage viel Platz für gemeinsame Aktivitäten, aber auch genügend Raum für Privatsphäre. Herzstück und Mittelpunkt der JWG ist die Küche und der Essbereich, in denen zusammen gekocht, gegessen und viel gelacht wird. Ebenfalls stehen zwei vollständig eingerichtete Appartments für Jugendliche in der Verselbständigung zur Verfügung.

 

Ali Bassi kam direkt mit den Tour-Teilnehmenden ins Gespräch und gewährte sogar Einblick in sein Zimmer.

 

Direkt ins Auge fiel Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke das Bild über Kinderrechte, das gemeinsam von den Jugendlichen gestaltet wurde. In der Jugendwohngruppe werden zahlreiche Aktivitäten wie Deutschunterricht, Spieleabende, Ausflüge und kreatives Arbeiten angeboten.

Last but not least setzten sich die Busse in Richtung Immigrather Straße in Bewegung. Im AWO Aktiv- und Stadtteiltreff Wersten erwarteten Gudrun Siebel, Hauptabteilungsleitung Kinder-Jugend-Familien-Integration der AWO Familienglobus gGmbH, FBW-Mitarbeiterin Sabrina Hantke und Beate Lüke vom Familientreff Holthausen die Tourgruppe. Der im Mai 2017 wieder- und neueröffnete Aktiv- und Stadtteiltreff ist seit über 30 Jahren Anlaufstelle für die Einwohner*innen aus Wersten.

Ziele des Aktivtreffs sind die Verbesserung der Lebens- und Bildungsqualität und die Stärkung des Miteinanders im Stadtteil. Neben der beliebten Jugendfarm mit Eseln, Pferden, Kaninchen, Meerschweinchen und bald auch Hühnern, bietet der Aktivtreff zahlreiche Angebote für Gruppen, aber auch für Einzelpersonen aus dem Stadtteil.

Quartiersarbeit und Vernetzung werden auch im Aktiv- und Stadtteiltreff, in dem nun auch die Familienbildung verankert ist, groß geschrieben. Es bestehen Kooperationen mit der AWO Jugendberatung, der Schuldner- und Insolvenzberatung, dem Fachdienst für Migration und Integration der AWO, dem Projekt „i-punkt Arbeit“ und anderen Organisationen, die sich im und für den Stadtteil engagieren. „Gerade bauen wir die Zusammenarbeit mit dem Familientreff Holthausen verstärkt aus. Hierdurch entstehen viele Synergieeffekte, die uns allen, aber vorrangig den Menschen in den beiden Statteilen zu Gute kommen“, betonte Hauptabteilungsleiterin Gudrun Siebel.

 

Sichtlich Spaß hatte Klaudia Zepuntke beim Besuch der Esel- und Pferdekoppel im Außengelände des Aktivtreffs. Der Tierbereich ist im Sommer immer ein großer Publikumsmagnet.

 

Zum Ende der gut fünfstündigen Tour wurde Aufstellung zum Gruppenbild vor der Fahrradwerkstatt genommen: (v. l.): Detlef Weber, Markus Schardin, Helga Leibauer, Ursula Holtmann-Schnieder, Beate Lüke, Sabrina Hantke, Michael Kipshagen, Klaudia Zepuntke, Gudrun Siebel, Katja Goldberg-Hammon und AWO BBZ-Mitarbeiterin Gabriele Schmitz. In der Werkstatt können Menschen aus der Nachbarschaft ihre Fahrräder für kleines Geld reparieren lassen.

Ihren Dank sprach Klaudia Zepuntke stellvertretend für alle Teilnehmenden zum Ausklang der Tour in gemütlicher Runde bei Fingerfood aus: „Es ist immer wieder wunderschön vor Ort in den Projekten zu sein und zu sehen, wie sie sich entwickeln und wie sie erfolgreich und mit viel Engagement durchgeführt werden. Beispielsweise hat mich der Besuch in der „Kirschblüte“ heute sehr beeindruckt. Was dort gelebt wird, ist für mich das innovative Wohnkonzept für das zukünftige Leben im Alter.“

Artikel erstellt am: 15.08.2017

Zurück zur Übersicht