
30 Jahre Kinderanwalt "Till Eulenspiegel"
Das war ein munteres Jubiläum im Jugendinformationszentrum „zeTT“ der Stadt: „Till Eulenspiegel“, alias Ina Schubert, der Kinder- und Jugendanwalt der AWO, war leibhaftig erschienen, um gemeinsam mit Freunden, Wegbegleitern und zahlreichen Gästen den eigenen "30. Geburtstag" zu feiern. Die Laudatio hielt Stephan Käsgen. Der stellvertretende Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt in Düsseldorf erinnerte dabei noch einmal an die Grundidee der UN-Kinderrechtskonvention: „Kinder brauchen eigene Rechte. Ihr Wohl soll besonders geschützt werden.“
Die AWO hat die Figur des „Till Eulenspiegel“ entlehnt und zum Kinder- und Jugendanwalt gemacht. Er kämpft für die Rechte aller Kinder und Jugendlichen. „Denken Sie nicht, dass die Tatsache, dass auch Kinder eigene Rechte haben, jedem geläufig ist“, sagte Stephan Käsgen, Aufsichtsratsvorsitzender der Familienglobus gGmbH. „Die meisten Kinder wissen gar nicht, dass sie eigene Rechte haben, und auch die Eltern haben kaum davon gehört.“ Dafür steht „Till Eulenspiegel“ bereit. Seit 1998 hat er rund 1.000 Schulen mit einer Informationskampagne erreicht.

Stephan Käsgen (rechts), stellvertretender Vorsitzender der AWO in Düsseldorf, und Michael Kipshagen, Geschäftsführer der AWO Familienglobus gGmbH.
(Fotos: H.H.)
Inzwischen sind die UN-Kinderrechte ein wichtiger Baustein in vielen Schulen. Sie tragen dazu bei, die Kinder stark zu machen und Zivilcourage zu fördern. Die Kinder lernen ihre Rechte kennen, entdecken Handlungsalternativen und machen einen Schritt in Richtung Demokratieverständnis.
Die UNICEF als Kinderrechtsorganisation fasst den Schutz der Kinder in zehn Grundrechten zusammen: Dazu gehören das Recht auf
- Gleichbehandlung und Schutz vor Diskriminierung unabhängig von Religion, Herkunft und Geschlecht
- einen Namen und eine Staatszugehörigkeit
- Gesundheit
- Bildung und Ausbildung
- Freizeit, Spiel und Erholung
- die Möglichkeit, sich zu informieren, sich mitzuteilen, gehört zu werden und sich zu versammeln
- eine Privatsphäre und eine gewaltfreie Erziehung im Sinne der Gleichberechtigung und des Friedens
- sofortige Hilfe in Katastrophen und Notlagen und auf Schutz vor Grausamkeit, Vernachlässigung, Ausnutzung und Verfolgung
- eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause
- Betreuung bei Behinderung.
Zum „Internationalen Tag der Kinderrechte“ am 20. November wird regelmäßig auf diese Grundrechte hingewiesen. „Till Eulenspiegel“ sorgt dafür, dass darüber hinaus Projekte für Kinder und Jugendliche angeschoben werden. Er ist ein erster, gut erreichbarer Ansprechpartner bei der Suche nach Verbündeten, um Mängel, Nachteile und kinderdiskriminierende Gegebenheiten im Alltag zu beseitigen. "Till" hilft, die Interessen der Kinder- und Jugendlichen wieder in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.
„Unsere Einrichtung“, so die Leiterin Ina Schubert, „ist eines der wenigen Lichter, die 1979 im ‚Jahr des Kindes‘ angezündet wurden und bis heute nicht erloschen sind.“ Schubert berichtete von drei Jahrzehnten engagiertem Einsatz, um Düsseldorf noch kinder- und jugendfreundlicher zu machen. Als "Till" verkleidet, erschien sie 1982 persönlich im Kinder- und Jugendhilfeausschuss der Stadt, um für die Kinderrechte zu werben.
Einen besonderen Dank an Ina Schubert richtete denn auch Michael Kipshagen, Geschäftsführer der AWO Familienglobus gGmbH. „Sie hat als Pionierin den Zuständigen in unserer Stadt drei Jahrzehnte den Spiegel vorgehalten und für erzieherischen Kinder- und Jugendschutz geworben.“

Dr. Rainald Eichholz (rechts), ehemaliger Kinderbeauftragter für NRW, ging in seinem Grußwort auf die Entwicklung der Kinderrechte ein. Er wünscht sich eine weltweite Kinderrechtskampagne, um die Kinder "zu Subjekten des Völkerrechts" zu machen und der „Politik für Kinder“ ein neues Gesicht zu geben. Die AWO habe hier mit ihrer Einrichtung Kinder- und Jugendanwalt eine Vorreiterrolle eingenommen, so Eichholz.

Für sozialkritische Unterhaltung sorgten die Rapperin „Latimo“ mit der Gruppe „Meditias“. Sie reimten: „Wieso wachsen Kinder zwischen zwei Welten auf? Bei den Armen geht es weiter runter, bei den Reichen rauf. Kinder haben Mächte, wollen wie ihr genauso viele Rechte!“