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"Deutschland sagt Danke" an Semahat Guzay

Ecuador, das Nordkap, Guadeloupe, der Senegal – Semahat Guzay hat fast die ganze Welt gesehen. „Nur Australien fehlt mir noch“, sagt die 76-jährige Globetrotterin, die seit fast 30 Jahren ehrenamtlich bei der AWO Düsseldorf aktiv ist. Anfang Oktober stand jedoch ein vergleichsweise kurzer Trip auf dem Reiseplan der gebürtigen Türkin: Im Kanzleramt in Berlin wurde Semahat Guzay zusammen mit rund 300 anderen „Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern der ersten Generation“ für ihre Aufbau- und Lebensleistung von Kanzlerin Merkel geehrt.

In Istanbul geboren, kam Semahat Guzay (im Bild rechts neben Bundeskanzlerin Merkel) im Jahr 1966 mit Ehemann und drei Töchtern an den Rhein. „Deutschland war für mich damals ein unerreichbares Land“, sagt die gelernte Grundschullehrerin. Ihre erste Anstellung in Düsseldorf war gleich der „Job fürs Leben“: Als Schneiderin arbeitete sie bei einem bekannten Modehaus, organisierte Modenschauen und entwarf eigene Kreationen - bis zur Rente im Jahr 1992.

Seit 1980 engagiert sich Semahat Guzay ehrenamtlich bei der Arbeiterwohlfahrt, in mehreren Vereinen und Organisationen. Vor allem die Integrationsarbeit liegt ihr am Herzen. 1995 übernahm sie als Leiterin eine interkulturelle Seniorinnengruppe. In der AWO-Begegnungsstätte Kürtenhof in Flingern ist sie seit drei Jahren aktiv. Auch beim Aufbau des Internationalen Frauenhauses der AWO hat Semahat Guzey mitgeholfen. „Viele Frauen aus Anatolien fanden erst durch sie den Mut, sich an Alphabetisierungs-, Deutsch- oder Nähkursen zu beteiligen“, erzählt Tochter Nese Gere.

„Ich möchte einfach die Menschen zusammenbringen, egal woher sie kommen“, sagt Semahat Guzey. „Dabei lassen sich Vorurteile am besten abbauen.“ Diesem Ziel diente auch ein Projekt, dass sie gemeinsam mit engagierten Hobbyfilmerin bereits in den 80er Jahren initiiert hatte: Auf mehreren Studienreisen in die Türkei drehte das kleine Team eine Dokumentation über das damals noch fremde Land am Rande Europas. Anschließend wurde der Türkei-Streifen mit großem Erfolg in der neuen deutschen Heimat in Altenheimen, bei der Volkshochschule und anderen Einrichtungen vorgeführt.

„Ohne die AWO hätte ich all das natürlich nie geschafft“, gibt sich Semahat Guzay (hier mit Tochter Nese Gere) bescheiden. Ihre Mitstreiter bei der AWO nennt sie denn auch nur „meine Goldstücke“ und „meine Großfamilie“. Dabei steht die leibliche Familie dem hehren Tun der Seniorin in Nichts nach. Alle drei Töchter engagieren sich im sozialen Bereich. Die älteste, Nese Gere, arbeitet bei der AWO in der Migrationserstberatung.

Bei der Ehrung in Berlin, die zeitlich mit dem türkischen Zuckerfest zusammenfiel, dem Tag des Fastbrechens, folgte nun die gebührende Anerkennung für so viel selbstlosen Einsatz. Doch auch hier blieb sich die Ehrenamtlerin treu: Freigiebig beschenkte die 76-Jährige nicht nur Kanzlerin Merkel und deren Ehemann mit selbstgehäkelten Stoffschuhen (von denen sie in Düsseldorf bereits zahllose Exemplare zugunsten sozaler Projekte verkauft hat). Vom Taxifahrer bis zum Hotelmitarbeiter wurden alle von Semahat Guzey mit kleinen, feinen Spitzen-Taschentüchern bedacht – dem Symbol für „Verbundenheit, Freundschaft und Frieden“.